Verizon Aktienanalyse: Stabiler Dividendenanker in volatilen Zeiten?

Heute geht es um die Dividendenaktie von Verizon. Ob ich das Unternehmen aktuell für kaufenswert halte, erfahrt ihr in diesem Video. Verizon weist aktuell eine Dividendenrendite von 5% aus und trotzt mit seinem stabilen Geschäftsmodell der aktuellen Marktvolatilität. Wie gewohnt bewerten wir Verizon gleich mit meinem Rational Handeln Score.

https://youtu.be/WB4AFlrCCkE
Mein Video zu Verizon auf meinem YouTube-Kanal

Verizon ist schon lange auf meiner Watchlist. Der Kurs des Telekommunikationsriesen ist im Januar nur minimal zurückgegangen, auch das macht die Aktie im aktuellen, sehr volatilen Börsenumfeld interessant. Telekommunikationsunternehmen sind stabile Dividendenbringer. Am letzten Wochenende war Verizon auch sehr prominent beim Superbowl als Sponsor vertreten, um seine neuen 5G Lizenzen zu promoten. Das gesamte Stadion war mit 5G von Verizon ausgestattet. Verizon ist und war natürlich keine Kursrakete, aber dafür ein sehr stabiler Dividendenbringer. Bevor wir mit dem quantitativen Score in die Analyse der Aktie starten, kurz der Disclaimer: Meine Videos sind keine Empfehlung oder Anlageberatung, sondern nur meine persönliche Meinung. Denkt selber nach, recherchiert und handelt dabei immer möglichst rational. Die möglichen Risiken aus Investitionen müsst ihr selber verantworten. Lest euch auch den Disclaimer auf rationalhandeln.de/disclaimer. 

Rational Handeln Score quantitativ

Hier für euch der aktuelle quantitative Rational Handeln Score. Das KGV ist knapp unter 10. Die Gewinnentwicklung für die kommenden Jahre ist eher niedrig. Genau wie die Steigerung der Dividende in den letzten 5 Jahren. Dafür ist die aktuelle Dividendenrendite fast 5%. Seit 17 Jahren wurde die Dividende stets erhöht. Erfreulich ist auch die sehr geringe Ausschüttungsquote von unter 50%. Insgesamt kommt Verizon aktuell genau auf 100% im qualitativen Rational Handeln Score. Aber um wirklich kaufenswert zu sein, muss das Unternehmen auch im qualitativen Score mindestens 100% erreichen. Also ab in die Analyse.

Was ist das Geschäftsmodell?

Starten wir mit der qualitativen Analyse. Verizon ist ein US-amerikanischer Telekommunikationskonzern. Das Unternehmen ist in den Segmenten Verizon Consumer Group (Consumer) und Verizon Business Group (Business) tätig. Das Consumer-Segment bietet vor allem Mobilfunk (jetzt vor allem 5G) – und Breitband-Tarife (vor allem Fiber – sprich Glasfaser) an. Ähnlich wie die Deutsche Telekom bei uns in Deutschland. Genau wie AT&T versuchte sich auch Verizon als Medienkonzern. Mitte 2015 übernahm Verizon AOL,  zwei Jahre später das Kerngeschäft von Yahoo. Im Juni 2017 erfolgte die Fusion von Yahoo und AOL zur neuen Dachmarke Oath (ab Januar 2019 dann als Verizon Media). Am 3. Mai 2021 wurde bekannt gegeben, dass Yahoo und AOL für 5 Milliarden Dollar an Apollo Global Management verkauft werden. Der Deal war ein ziemliches Verlustgeschäft. AOL hatte Verizon für 4,4 Milliarden Dollar gekauft. Yahoo für nochmal 4,5 Milliarden. In Summe also 8,9 Milliarden. Verizon hält zwar weiter 10% an der Firma als Beteiligung, aber dennoch war der Ausflug ins Internet- und Mediengeschäft ein Fehlschlag. Aber: was AT&T bald vor hat, hat Verizon schon hinter sich. Eine schmerzhafte Trennung vom Medienausflug und wieder ein Fokus auf das Kerngeschäft.

Aber wie läuft es im Kerngeschäft? Verizon hat vor kurzem seine aktuellen Quartalszahlen bekannt gegeben. Diese hatte ich auch in meinem Video letzten Samstag kurz analysiert. Daher nur kurz: insgesamt ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr leicht gewachsen bei Verizon. Der Gewinn pro Aktie ist ebenfalls gestiegen. Zudem wurde die Dividende erneut angeboben, allerdings nur minimal. Das Privatkundensegment entwickelt sich dabei aktuell besser als das Geschäftskundensegment. Im Privatkundenbereich gab es auch ein Nettokundenwachstum. Die Umsätze hier sind um 7,6% gewachsen. Im B2B-Bereich hingegen sank der Umsatz im vergleich zum Vorjahr sogar leicht um 0,3%. 

Wie verdient Verizon letztlich sein Geld? Verizon investiert seit Jahren viel Geld in seine Netzinfrastruktur. Zuletzt kaufte Verizon zum Beispiel massiv 5G-Lizenzen. Dazu verfügt Verizon auch über klassische Telefon-, Mobilfunk- und natürlich Breitbandnetzwerke (auch Glasfaser). Diese Konnektivitätsnetzwerk stellt Verizon Privat- und Geschäftskunden gegen eine Gebühr zur Verfügung. Dabei wird in der Regel ein langfristiger Vertrag abgeschlossen. Es gibt aber auch flexiblere Lösungen wie Pre- und Postpaid-Tarife mit oder ohne Smartphone. Verizon geht beim Aufbau der Netzinfrastruktur oft einige Jahre in Vorleistung mit seinen Investitionen, deshalb auch die relativ hohe Verschuldung. Dafür sind die Cash Flows bei Verizon dank langfristiger Vertragsbeziehungen aber auch sehr gut planbar. 

Daher ist der Free Cash Flow bei Verizon, und auch bei fast allen anderen Dividendenaktien, eine sehr wichtige Kennzahl. Der freie Cash-Flow zeigt, wie viel Geld für die Aktionäre eines Unternehmens tatsächlich übrig bleibt. Damit kann entweder eine Dividende gezahlt werden oder auch Aktien zurückgekauft werden. Der Free Cash Flow hat sich auf dem ersten Blick bei Verizon im letzten Jahr negativ entwickelt. Zudem sind die Schulden gestiegen und damit natürlich auch die Verschuldung. Jetzt würde es 2,8 Jahre dauern, um die Schulden abzubezahlen. Immer noch okay. Aber was ist der Grund für den geringeren Free Cash Flow und die höhere Verschuldung? 

Dafür habe ich einmal tiefer in 10k-Dokument von Verizon für das Jahr 2021 reingesehen. Ich habe es einmal für euch hier eingeblendet. In orange markiert seht ihr den großen Posten “Acquisitions of wireless licences”. Verizon hat im Frühjahr 2021 47 Milliarden Dollar für neue 5G Lizenzen ausgeben. Dafür wurde aufgebautes Cash genutzt und auch neue Schulden aufgenommen. Das war aber ein wichtiges Investment. Dies Lizenzen nutzt Verizon, um sein neues Verizon 5G Ultra Wideband umzusetzen. Die Verbindung über dieses Netzwerk ist besonders schnell und hat eine sehr niedrige Latenz, also Verzögerung bzw. Antwortzeit. Zudem ist die Konnektivität bei sehr vielen Verbindungen auf engem Raum viel besser. Zum Beispiel im Football-Stadion wie am letzten Wochenende groß beim Superbowl promotet. Früher war hier der Empfang oft schlecht oder nur über langsames Stadion-Wifi möglich. Verizon promotet das 5G sogar als Alternative zum klassischen Breitbandanschluss. Kein Festnetzanschluss für Wlan zu Hause mehr nötig.

5G ist auch die Grundlage für das IoT. Auch hier ist Verizon in seinem Geschäft Segment tätig. Hier bietet Verizon eine eigenen B2B-Plattform über die andere Unternehmen ihre Geräte mit 5G-Konnektivität über Verizon ausstatten können. Verizon rechnet hier mit einem massiven Markt. Von aktuell 12,3 Milliarden Geräten, sollen die 5G connected Devices auf über 27 Milliarden bis 2025 ansteigen. Jede Menge Potenzial für mehr Business-Umsätze. 

Also wie bewerte ich das Geschäftsmodell? Aufgrund der langfristigen Verträge im Privat- und Geschäftskundenumfeld, ist das Geschäftsmodell von Verizon sehr stabil und gut planbar. Allerdings sind ziemlich große Investitionen in das Netzwerk nötig, um das Geschäftsmodell aufrecht zu erhalten. Es ist also sehr kapitalintensiv. Das haben wir ja in 2021 durch die 5G-Lizenzausgaben gut gesehen. Daher nur eine neutrale Wertung für das Geschäftsmodell. Für den Burggraben hingegen vergebe ich 3 Punkte. Wer einmal eine Netzinfrastruktur aufgebaut hat, kann nicht so schnell aus den Markt gedrängt werden. Die neu erworbenen 5G-Lizenzen haben hier den Burggraben noch vertieft. 

CEO ist seit 2018 der Schwede Hans Vestberg. Der war zuvor CEO bei Erikson, musste dort aber 2016 gehen. Er durfte übrigens auch mit Tim Cook das erste 5G iPhone, das iPhone 12, auf der Bühne präsentieren. Vestberg ist sehr laut und extrovertiert, bleibt dabei, zumindest mein Eindruck aus Interviews, sympathisch. Er richtete die Strategie mit Fokus auf Fiber(Glasfaser) und 5G aus. Das beste Netzwerk und der Nutzen für den Kunden stehen im Fokus. Für mich 3 Punkte und eine positive Wertung. 

Kommen wir zum Punkt Kundenerfahrungen. Wenn sich das Trustpilot-Profil von Verizon ansieht, sieht das nicht besonders toll aus. Allerdings sehen T-Mobile und AT&T auch nur minimal besser aus. Ich würde hier eine neutrale Wertung abgeben. Kommen wir zum Punkt Risiko. Der wichtigste Risikoaspekt hier sind die Schulden. Ich habe euch hier einmal die Tilgungskraft (das ist Free Cash Flow minus die Dividenden) gegen die Schuldenquote aufgetragen. Die Schuldenquote wird auf hier im Verhältnis zum Gesamtvermögen – nicht Cashflow oder Gewinn berechnet. Viel wichtiger finde ich aber die Kennzahl, wie schnell Verizon ohne Dividende seine Schulden zurückzahlen könnte. Diese Zahl hatten wir vorhin schon in den Quartalszahlen. Der Gewinn von drei Jahren würden dafür ausreichen. Für mich ist das vollkommen okay. 

Risiko

Wie sieht es mit der Inflation als Risiko aus? Hier sehe ich Verizon nicht besonders stark gefährdet. Es könnte leichte Effekte durch eine Lohn-Preis-Spirale geben für Mitarbeiter – vor allem in den Stores vor Ort. Die größten Kosten sind die Netzwerkinvestitionen. Mit steigenden Zinsen könnten die Zinsaufwände für neu aufzunehmende Schulden steigen. Aktuell hat Verizon rund 150 Milliarden langfristige Schulden. Würden die Leitzinsen um beispielsweise ein Prozent steigen, würden die Kapitalkosten um 1,5 Milliarden steigen. Bei einem Free Cash Flow von 20 Milliarden machbar, aber nicht ohne Effekt. Die Dividende sollte aufgrund der geringen aktuellen Ausschüttungsquote auf den Free Cash Flow von nur knapp über 50% trotzdem sicher sein. Für das Risiko gibt es eine neutrale Wertung. 

Wie steht es um die Chancen? Wie schon im Geschäftsmodell ausgeführt, liegen im bereich 5G und Fiber große Chancen für Verizon. Mit immer neuer Hardware (z.B. 5G Smartphones) wird die Nachfrage nach 5G immer stärker werden. Durch die neuen Lizenzen hat sich Verizon hier gut positioniert. Auch das Internet of Things bietet jede Menge Potenzial. Aber: der hinter den teuren Netzwerklizenzen liegende Business Case erfordert auch massives Wachstum. Hier sind also große Chancen, diese sind aber auch quasi bereits eingeplant, um die Investitionen wieder einzuspielen. Daher nur eine neutrale statt positive Wertung.

Die Hauptkonkurrenz von Verizon sind bekanntlich AT&T und die US-Telekom-Tochter T-Mobile. Vor allem T-Mobile hatte in den letzten Jahren mächtig Gas gegeben. T-Mobile liegt in Sachen 5G-Abdeckung mit über 50% deutlich vor AT&T mit knapp 30% sowie Verizon mit nur 13%. Dafür ist Verizon potenziell das schnellste 5G-Netz (wir erinnern uns  “ultra wide”). Verizon hat dieses ultraschnelle 5G-Netz aber erst in rund 60 Städten, will es aber massiv ausbauen. In Sachen 4G sind AT&T und Verizon übrigens weit vor T-Mobile. Trotzdem bin ich hier streng und gebe eine negative Wertung, die sich aber mit steigender Netzabdeckung wieder ändern könnte. 

Mein Fazit zur Verizon Aktie

Kommen wir vor dem Fazit, noch zum Punkte: Marktsituation. Natürlich ist der Markt aktuell sehr volatil. Aber das scheint Verizon nicht ganz so viel aus zu machen. Der Trend geht hin zu stabilen Cash Flow in der Gegenwart und weg von zukünftigen Wachstumsstorys. Daher sehe ich eine Aktie wie Verizon als perfekten Kandidaten für die aktuelle Marktsituation. Von mir 3 Punkte. 

Kommen wir zu meinem Fazit: Konnektivität ist spätestens seit der Corona-Pandemie neben Elektrizität und Energie einer wichtigsten Säulen unserer Infrastruktur. Und Verizon ist einer der größten Anbieter davon in den USA. Über quantitativen und qualitativen Rational Handeln Score erreicht Verizon genau 200% und ist damit kaufenswert. Ich werde mir diese Woche wohl einige Aktien von Verizon ins Portfolio legen. Wie sieht es bei euch aus? Was haltet ihr von der Aktie? Kommentiert unten gerne eure Meinung. Wenn ihr nochmal eine Analyse zu AT&T sehen wollt, dann schaut euch doch nochmal dieses Video von mir an. Dann bleibt mir nur noch zu sagen: immer rational handeln. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.